Ein Testament und viele begeisterte Zuschauer

„Hei si scho teilt?“ — Wird gemeinhin im Bärnbiet gefragt, wenn eine Familie als ausserordentlich nett und harmonisch geschildert wird. Ende November drehte sich auch im Stück „Verwandte sind auch Menschen“ der Theatergruppe Magden auch alles um die „Teilete“. Viele liebe Verwandte sind in die vornehme Tessiner Villa des verstorbenen Multimillionärs Stephan Schmidhauser angereist, um der Testamentseröffnung ihre Aufwartung zu machen, um anschliessend um eine Erfahrung reicher wieder heimzureisen.

Verwandte sind auch menschen

Knapp ein halbes Jahr hat sich die Gruppe unter der Leitung von Lisbeth Emmenegger mit Erich Kästner’s Stück auseinandergesetzt und eifrig geprobt. Noch nie standen so viele Spieler gleichzeitig auf der Bühne wie dieses Mal, was zu einer besonderen Herausforderung wurde. Dies — und auch die spielerische Umsetzung — wurde jedoch mit Bravour gemeistert. Das Publikum der fünf ausverkauften Aufführungen wusste die Leistung zu schätzen und verdankte es mit Szenen- und langanhaltendem Schlussapplaus.

Erich Kästner verstand es, in seinen Stücken immer eine sehr feine Klinge mit der Sprache anzusetzen. Er selber, der wahrlich kein Familienmensch war, nahm diese Klischees auch immer sehr zart auf, ebenso seine besondere Beziehung zur Mutter als Übermutter dringt unbewusst in seinen Stücken immer wieder durch. Auch die Gesellschaftskritik an den Angepassten — Kästner wurde Zeuge der Bücherverbrennung im Dritten Reich mit seinen eigenen Werken — kommt in seinen Stücken nicht zu kurz. Die Leistung des Ensembles ist daher hoch zu loben. Es gelang, das Publikum zu unterhalten, sämtliche Untertöne ins Feld zu führen und zum Nachdenken anzuregen, ohne jedoch den Mahnfinger zu erheben. Die Charaktere wurde von den Spielern fein erfasst und gespielt und der Regie ist eine hervorragende Rollenbesetzung gelungen und die Spieler punktgenau zu Höchstleistungen anzutreiben.

Einmal mehr hat die Theatergruppe Magden bewiesen, dass in unserem Dorf kultureller Genuss geboten wird und auch grosse Autorennamen hier gespielt werden können und sollen. Eine Herausforderung auch in der Hinsicht, dass langsam aber sicher das Inventar des Gemeindesaals an sein Alterslimit kommt. So waren zwei Scheinwerferausfälle während einer Vorstellung zu verkraften, permanent gegen den Durchzug zu kämpfen und auch der Wind, der durchs Gebälk rauschte, verursachte zwischendurch Geräusche, welche einem gedanklich eher an den Hamburger Hafen zum Auslauf der Queen Mary versetzte, als in eine Theateraufführung.

An dieser Stelle sei ein Dank an die rund 1000 Besucher gerichtet, welche mitlebten und mitfieberten. Aber auch allen Sponsoren und Gönnern, ohne die ein solcher Anlass nicht stattfinden könnte. Auch der Partnerverein, der Musikgesellschaft Magden, hat es vorzüglich verstanden die Gäste zu bewirten und zu verköstigen.

Verwandte sind auch menschen

Fotos: Gaby Strässler

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